Evangelischer Arbeitskreis Sachsen-Anhalt
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Neuigkeiten
18.10.2021, 21:52 Uhr
EAK trifft Landesbischof Kramer
POLITIK UND KIRCHE, Landesbischof traf Evang. Arbeitskreis der CDU
Teilnehmer des Treffens siehe unten
Zu einem turnusmäßigen Gespräch über grundsätzliche und aktuelle Fragen im Themenfeld von Politik und Kirchen trafen sich am 12. Oktober 2021 im Augustinerkloster Erfurt Mitglieder der Evangelischen Arbeitskreise (EAK) der CDU in Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland unter Leitung von Landesbischof Friedrich Kramer. Diese Gespräche finden seit dem Jahre 2010 im jährlichen Rhythmus statt.

Landesbischof Kramer führte u. a. aus: Auch das kirchliche Leben der letzten eineinhalb Jahre wurde wesentlich durch den Umgang mit der Corona-Pandemie geprägt. Es gab und gibt jedoch eine lebendige Kirche, die auch in schwierigen Zeiten dafür steht, dass niemand allein gelassen wird. So manche Gemeindeglieder scheuen sich noch immer, an Veranstaltungen teilzunehmen. Die Pandemie hat aber auch einen Schub in der Entwicklung neuer (z. T. digitaler) Gemeindeangebote gegeben. Gottesdienste sind noch vielfältiger geworden. Zugleich stellen sich neue Fragen und müssen gelöst werden.

So gibt es eine neue Diskussion über die Abendmahlsfeier. Taufen, Konfirmationen und andere kirchliche Feste wurden verschoben. Schaffen wir es, diese nachzuholen oder drohen uns Menschen, „verloren“ zu gehen? Die Kirche verliert Mitglieder durch Sterbefälle, Austritte und unterbliebene Taufen. Wegzüge spielen, anders als früher, keine wesentliche Rolle mehr. Brauchen wir ggf. einen neuen Kirchenzugehörigkeitsbegriff? Die in Deutschland vorhandene Kopplung der Kirchenzugehörigkeit an das Zahlen der Kirchensteuer ist weltweit wohl fast einmalig.

Die kirchliche Seelsorge ist Kern unserer Arbeit. Wie kann sie durch weniger Mitglieder geleistet werden? Was ist digital möglich? Senioren bilden derzeit ein wichtiges Potenzial. Aber die Zukunft kirchlicher Berufe muss durch die Jugend gesichert werden. Gegenwärtig gibt es zu wenige junge Menschen, die Theologie studieren. Wir müssen auch die Tür für Quereinsteiger weiter als bisher öffnen und zusätzlich andere Einstiege in das Pfarramt suchen.

Die EKM versucht auf diese Prozesse inhaltliche und organisatorische Antworten zu finden. Kirchengebäude werden multifunktional oder auch anders genutzt (z.B. Jugendkirchen, Herbergskirchen). Die Organisation wird verschlankt. Das Ehrenamt wird gestärkt.

Es wurde auf die guten Erfahrungen verwiesen, die zu DDR-Zeiten mit Erwachsenentaufen gewonnen wurden. In individueller Ansprache sind die Menschen weiterhin erreichbar.

Die EAK-Mitglieder berichteten über die politische Situation in den Parlamenten ihrer Länder, wobei sich die Situationen in Thüringen und Sachsen-Anhalt durchaus voneinander unterscheiden.

Für Sachsen- Anhalt gilt: Die CDU konnte bei der Landtagswahl ein relativ gutes Wahlergebnis erreichen, das wohl auch in der klaren ablehnenden Haltung von Ministerpräsident Dr. Haseloff gegenüber der AfD seine Begründung hat. Die Koalitionsverhandlungen verliefen zügig und erfolgreich, so dass schnell eine weiterhin stabile Regierungs- und Parlamentsarbeit erwartet wird. Bei der Bundestagswahl konnte sich die CDU dem für sie negativen Trend nicht entziehen. Die Aufarbeitung der Gründe dauert an.

Die Thüringer Mitglieder berichteten über die schwierige Arbeit im Parlament. Wie geht man demokratisch mit Verächtern der Demokratie um? Wie grenzt man sich vom Extremismus ab, ohne das Gespräch mit den Menschen abzubrechen? Nicht alle AfD-Mitglieder und -Wähler sind für die Demokratie nicht rückholbar. Vereinzelt hat es funktionierende Gesprächsformate in kirchlichen und anderen öffentlichen Räumen gegeben. Kirchen und christliche Politiker müssen auch mit Menschen reden, die der AfD angehören oder diese Partei wählen und dabei im engagierten Streit problematische Punkte deutlich benennen: Demokratieverachtung, Ressentiments gegen alles „Fremde“, Verächtlichmachung demokratischer Institutionen. Christen beten für alle Menschen. Die Kirche ist eine Gemeinschaft, deren Mitglieder sehr unterschiedliche Positionen teilen. Dennoch bleiben wir im Gespräch und Gebet beieinander. Nicht zuletzt in der Pandemie hat sich das bewährt. Auch Landesbischof Kramer plädierte dafür, die einzelnen Menschen nicht aufzugeben, obwohl die AfD ihren antikirchlichen Kurs forciert habe.

Abschließend dankte Landesbischof Kramer den Mitgliedern des EAK als für ihn verlässliche Partnerinnen und Partner. Viele wichtige Themen konnten angesprochen werden, andere konnten nicht behandelt werden. Das gibt Stoff für die Fortsetzung des Gesprächs.

Friedrich Kramer
Landesbischof EKM

Prof. Dr. Jens Goebel
Vorsitzender des EAK Thüringen

Jürgen Scharf
Vorsitzender des EAK LSA

  • Teilnehmer des Treffens, v. l. n. r. (OKR Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung in Sachsen-Anhalt nicht im Bild): OKR Dr. André Demut, Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung in Thüringen; Stephen Gerhard Stehli, MdL Sachsen-Anhalt; Volker Heerdegen; Anne-Marie Keding, MdL Sachsen-Anhalt; Dr. Karl-Eckhard Hahn; Dr. Detlef Baer; Gudrun Holbe; Hans-Steffen Herbst; Jörg Kellner, MdL Thür.; Johannes Selle, MdB; Hildigund Neubert; Dr. Thomas Knoll; Landesbischof Friedrich Kramer; Prof. Dr. Wolfgang Merbach; Jürgen Scharf, Landesvorsitzender des EAK Sachsen-Anhalt; Dr. Ulrich Born; Prof. Dr. Jens Goebel, Landesvorsitzender des EAK Thüringen 
  • Foto: EAK der CDU


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